In Zusammenarbeit mit dem Berliner Galeristen Dieter Brusberg fand,unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Peter Benz,vom 1. Juni bis zum 11. September 2001 in der Stadtkirche die zweite Ausstellung der Reihe "IM DIALOG" mit Plastiken des Berliner Bildhauers Rolf Szymanski statt. Ausgestellt wurden die "Dresdner Frauen", zwei überlebensgroße Plastiken aus bemaltem Aluminium.

ZUM KÜNSTLER
ROLF SZYMANSKI, geboren 1928 in Leipzig. „Deutscher Plastiker. Studierte 1945 – 50 an Kunstgewerbeschule Leipzig, 1950 – 55 an Kunsthochschule Berlin-Charlottenburg bei Scheibe und Heiliger. Als Stipendiat 1961 in Rom, Villa Massimo, 1962 Rom-Preis, 1964 in Florenz, Villa Romana, 1968 Paris. 1964 documenta Kassel, 1965 und 1973 Biennale Antwerpen-Middelheim, 1970 Weltausstellung Osaka, 1973 Biennale der Ostseeländer Rostock. Seit 1970 Mitglied, zeitweise in leitenden Funktionen, der Akademie Berlin (West), jetzt Berlin-Brandenburgische Akademie, seit 1986 Professor an Kunsthochschule Berlin-Charlottenburg. 1990 Biennale Venedig. Schuf ausschließlich menschliche Figuren, expressiv bewegt, in geknetet wirkenden, offen gelassenen, stark abstrahierenden Formen. Sie entstehen in langen Prozessen der Überarbeitung und Neuformulierung und streben häufig inhaltliche Beziehungen zu alten mediterranen Kulturen an. Beispiele: Synagoge (1963, Bronze-Unikat, München. Staatsgal. Mod. Kunst); Die Frauen von Messina: L’Ephémère (1978, Bronze); Große Frauen Figur Berlin, zweiteilig (1987, Marmor, Eisen, für Skulpturenboulevard Berlin).“
Zit. nach: Peter H. Feist, Figur und Objekt, Plastik im 20. Jahrhundert, Leipzig 1996, S. 291

ZU DEN FIGUREN
„Ich fing im Jahre 1994 eine große ‚Figur in großer Höhe’ an. Was dann kam, wurde eine Verwandlung, die mich traf. Die Figur entwickelte sich und wurde ernster als gewollt. Sie ähnelte plötzlich immer mehr den beiden Figuren oberhalb Dresdens, von wo diese auf die Termitenstadt der Zerstörung blicken mussten“, schreibt Rolf Szymanski zur Entstehung seiner Plastiken, den Dresdner Frauen.

ZUM KONZEPT
Der Zerstörung Dresdens im Februar 1945 war fünf Monate zuvor, am 11. September 1944, die Zerstörung Darmstadts vorausgegangen. Für die Royal Airforce der erste Angriff, bei dem jene neue Technik des Bombardements erprobt wurde, mit der man Dresden in Schutt und Asche legte. Szymanskis Plastiken im spätgotischen Chorraum, der als einziger Teil der Stadtkirche die Brandnacht unzerstört überstand und im zerstörten und nach 45 neu aufgebauten Schiff der Stadtkirche, erinnern genauso an diese Geschichte, wie an die Nazizeit, die den Zerstörungen des Krieges den Weg ebnete. IM DIALOG mit der in der Stadtkirche präsenten und ausgelöschten Vergangenheit, stellen Szymanskis Plastiken eindringlich die Deformationen des Menschlichen durch Gewalt dar, als unbedingte Mahnung zum Frieden.

AUS DEM AUSSTELLUNGSBUCH
Die Figuren stören das schöne Bild der Kirche. R. und S.E. • Die Figuren passen anderswo eventuell abstrakt besser in Räume. M.G. • Gut, dass die Stadtkirche so etwas zeigt. Ch.S. • Spannender Dialog! B.O. • Diese Figuren sind zum kotzen! H.&E.E. • Ein anregender Dialog zwischen Mensch und Kreuz. M.B. • Wo ist vorne und hinten? E.&A. • Diese „Frauen aus Dresden“ sind dramatisch, chaotisch und stehen kurz vor dem Zusammenfall. H.J.D. • Kunst und Kirche gehörten immer zusammen. Alte Kunst und neue Kunst haben Verbindungen wie alte und neue Generationen; gut, dass Kirche verbinden und nicht abgrenzen, trennen, ausgrenzen will… K.v.S. • Wo ist vorne und hinten oder steht es auf dem Kopf? W.Sch. • Ich freue mich, den Plastiken in dieser Umgebung begegnen zu können. J.H. • Die Skulpturen sind eine Beleidigung für die „Dresdner Frauen“. Das haben sie nicht verdient! Ch.O. • Gotteshaus? Nur noch Museum? Wie schade!! Haltet fest am christlichen Glauben. A. • Die Figuren sind eine *Beleidigung • *… und erst der Krieg!!! Offene Kirche, offene Herzen?! Ich bin glücklich darüber. H.z.G. • Ich finde die Figuren hässlich und beleidigend gegen die Frauen. U.E. • Seht interessant, aber seltsam. J.&G.W. • Ohne Erläuterung: Wirr! Das Wirre als Kunst?? Zu sehr gewollt! A.N. • Was der Mensch nicht versteht, erscheint ihm als wirr; ich habe den 11. Sept. 1944 in schrecklicher Erinnerung. H.F. • Mir gefällt der Brückenschlag zwischen Dresden und Darmstadt, der durch die Skulpturen gut dargestellt wird. Nie wieder Krieg – hier und anderswo. J.M. • Die äußere Erscheinung, „ent-stellt“ und in „un-menschlicher“ Form; so sieht wohl das „Innere“ eines Menschen aus, welcher Krieg „er-leben“ musste. Ich wünsche es niemandem auf der Welt! A.B. • Frauen haben nach und während des Krieges Ungeheueres geleistet – wenn sie Glück hatten – sich selbst und ihre Kinder gerettet. Aber Ungeheuer – wie Herr S. darstellt – waren sie nicht. I.H. • Etwas so Scheußliches hat in einer Kirche nichts zu suchen. B.B. • Komisch, dass wir nichtssagende Werke von Erwachsenen scheinbar ohne Kritik ausstellen und Schöpfungen von Kindern und Jugendlichen derselben Qualität mit einem wohlwollenden Nicken abtun. Wir müssen uns bemühen die Welt in ihren wirklichen Proportionen zu sehen. J.Ph.H. • Ich bin sehr beeindruckt und hoffe auf weitere solche Präsentationen. J.W. • Der Mensch, Gottes Geschöpf, wird hier verspottet. Was ist dabei Kunst? Riemenschneider und Stos waren halt doch die großen Meister. K.-H.B. • Ich bin eine „Dresdner Frau“ und habe mit meinen kleinen Kindern den Angriff auf diese herrliche Stadt mit allen Schrecken miterlebt. Wie kann man nur die „Dresdner Frauen“ so darstellen? Da drängt sich – leider – der Begriff „entartete Kunst“ auf. Es ist sehr traurig und entwürdigend. R.W. • Gehört nicht in die Kirche. J. • Wenn die Herrscherfiguren des Epitaphs in der Kirche stehen dürfen, dann auch die destruierten Frauen zur Erinnerung an das zerstörte Dresden. K. • Kunst muss nicht unbedingt „schön“ sein; deshalb verbietet sich ein rein ästhetischer Vergleich mit „Alten Meistern“. Ausdrucksvolle Kunst ist überall am Platz, auch in der Kirche - ein Lob der Toleranz! G.P. • Das soll Kunst sein ?? Ich finde die Figuren potthässlich! J.S. • Unter Kunst in der Kirche stelle ich mir etwas anderes vor. Ch.K. • Hässlich ist der Krieg und die Zerstörungen, die er anrichtet – nicht aber die künstlerische Darstellung der zerstörten Leiber; sie ist eine notwendige Mahnung. F.D. • Abartigkeiten gehören nicht in die Kirche, sondern ins Museum. G. • Großartig! Th.D. • Wie gut, eine geöffnete Kirche zu finden, einen Raum der Ruhe, des Innehaltens, des Rückzuges zu genießen! Wo, wenn nicht hier in der Kirche, sollte man des Leides der Frauen gedenken? D.W. • Wenn MANN nichts wird, wird er Künstler. Auf Kosten der „Dresdner Frauen“ verdient er sogar Geld damit! Ohne Worte! B*. • Wie tröstlich, dass Dummheit nicht wehtut - B* müsste furchtbar leiden! Eine gute Idee, die Kirche zu öffnen für Kunst. Ch.H. • Ich freue mich, dass es möglich ist, in der Kirche Kunst auszustellen. Die Figuren sind beeindruckend und der Kontrast zu den Renaissance-Kunstwerken ist spannend. M.J. • Ich wünsche mir, dass es so was öfter gibt, es öffnet einem vieles. I.W.

Fotos: Renate J. Deckers-Matzko © Galerie Brusberg, Berlin

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