Vom 1. Juni bis 31. August 2000 fand die erste Ausstellung der neu gegründeten Reihe "IM DIALOG" in der Stadtkirche statt. Michael Croissant machte den Auftakt mit sechs seiner charakteristischen Skulpturen.



ZUM KÜNSTLER
MICHAEL CROISSANT, geboren 1928. 1942 Steinmetzlehre, 1948-53 Studium an der Akademie in München bei Toni Stadler. 1966-88 Professor an der Städelschule in Frankfurt. Nach seiner Emeritierung lebte und arbeitete Croissant in München, wo er am 21. September 2002 starb.


ZUM WERK
"Michael Croissant, geboren 1928, kann inzwischen schon als Klassiker einer deutschen figurativen Bildhauerei angesehen werden. Geprägt von der Münchener Bildhauertradition und vor allem von seinem Lehrer Toni Stadler, schuf er an der Peripherie des bundesdeutschen Kunst- und Ausstellungsbe-triebes ein sprödes Werk, in dessen formaler Zurückhaltung oft ein elegischer Zug spürbar wird. Nach einer Phase informellen Gestaltens entstanden seit den 70er Jahren Werke, die angesiedelt sind im Grenzgebiet zwischen Figuration und Abstraktion. Viele dieser Arbeiten zeigen ein auf Gestalthaf-tigkeit abstrahiertes und reduziertes Menschenbild. Aus einer Synthese von organischer Formbindung, geometrischer Abstraktion und Gestalthaftigkeit entwickelte Michael Croissant eine Figuration, in der "Gebrochenheit als eine(r) letztlich nicht abweisbare(n) Generations- und Individualerfahrung" (P.A.Riedel) ebenso wie gelassenes Widerstehen in der künstlerischen Form ablesbar ist."
Birk Ohnesorge, Berlin


Aus dem Ausstellungsbuch
Die Figuren machen auf mich einen Eindruck, der sehr beklemmend ist. Sie sehen aus wie Seelen, die formlos im Raum stehen, ohne Schutz, Hülle und Geborgenheit, völlig hilflos und verletzlich. A.D. • Einfach, schön, prägnant, aufs Wesentliche beschränkt, still und gut. J. Z. • Es dauert eine kleine Weile, bis sie anfangen zu „reden“, aber dann passiert viel! V.M.-H. • Eine feine Arbeit in einem Raum, der schon so gestaltet erscheint, als könne er/als sollte er NICHTS weiteres aufnehmen. U.S.K. • Es ist ja alles wunderschön hier, aber Schönheit ist leider doch nicht alles. S.D. • Für mich ein Memento-mori inmitten der geschäftigen Stadt. Schärfte mal wieder den Blick für das Wesentliche. Was ist das? Ich denke mal, schlicht die Liebe. Herzlicher Dank, J. F. • Ruhe, Schönheit und Frieden es beeindruckt mich so sehr. E. K. • Moderne Zwiesprache, gefällt mir. U.Sch. • Ich finde es gut, dass sich die Kirche für die Kunst öffnet! – gehören nicht beide zusammen?! G.Sch. • Für mich machen diese Figuren den Eindruck, als ob sie der Kreuzigung Jesu zuschauen oder für ihn vor dem Altarbild beten. A.B., 12 Jahre • Unter dem Klang der Orgel mit Croissants Skulpturen gesprochen; redselig sind sie allerdings nicht. H.-N.C. • Bildhauerisch sehr dürftig! R.Sch. • „Die Schatten“, abgewandt, fremd, in sich gekehrt, schön und abweisend. M. F.-Sch. • Die Figuren haben einen guten Klang! A.Z. • Furchterregend! Bedrohlich! Schwarze Messe? E.W. • Die Skulpturen beleben die figürlichen Statuen und Reliefs im Altarhintergrund, verbinden die Historie mit der Gegenwart. In der schmucklosen Kirche wirken sie positiv. H. • Die Skulpturen fügen sich wunderbar harmonisch in die Kirche ein. Sie erinnern mich an die Frauen am Grab an Ostern. Einfach, klar, schön! D.J. • Ich habe mich zwischen die Figuren gestellt – bin ich auch so eine metall-verhüllte/-eingesargte Gestalt? Man sollte diese Stelen stehen lassen; sie beleben ungemein. H.Sch. • Ich bin ein einfacher Mensch und die Skulpturen sind zu abstrakt, als dass ich ihnen etwas abgewinnen könnte. Sch. • Man betritt die Kirche, sieht die Stelen und nimmt sofort eine gewisse „Trauer“ oder besser gesagt Ehrfurcht an. Man spricht und geht leise. E.B. • Warum diese traurigen Stelen? St. Weil aus Trauer Hoffnung wächst… H.O. • Aus den Bänken heraustreten und einen Schritt näher ans Kreuz wagen. K.B. • Profile, Skyline, Schablone gesichtslos, vielseitig einsetzbar, anonyme Roboter. Der Herzschlag ist eingekapselt. Die Augen ruhen im Inneren. Die Komposition ist gelungen. Sie verlangt Kreativität. K.W. • Sehr intensiv – sehr präsent – die Zeit vergessend. J.L. • Als hätte Michael Croissant die Figuren für den Chor unserer Stadtkirche geschaffen! Danke! Mi. • Sie stehen so traurig da! Man möchte sie umarmen und aus ihrer Starre erlösen. M.L. • Es sind einfache Figuren, die jeder, der schweißen kann, in der Lage ist zu erzeugen. L. • Gut, dass es keinen Gott gibt; die Figuren wären für ihn eine schwere Beleidigung. W.O.

Fotos: Renate J. Deckers-Matzko (www.deckers-matzko.de)
(c) Stadtkirche Darmstadt








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