Carolin Müller Dohle cRobert Schittko

Gottesdienst am Sonntag, 08. März 10.00 Uhr
Hoffnung in der Verzweiflung
Fidelio, Ludwig van Beethoven

»Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht« (Hebr.11,1).

Carolin Müller-Dohle
arbeitet seit dieser Spielzeit als Dramaturgin für Musiktheater am Staatstheater Darmstadt. Zuvor war sie über drei Jahre an der Bayerischen Staatsoper tätig und arbeitete als freie Dramaturgin. Das von ihr mitentwickelte interdisziplinäre Projekt »Metamorphosen« wurde zu den Bayerischen Theatertagen 2020 eingeladen. Sie ist Preisträgerin des Klaus-Zehelein-Preises für Nachwuchsdramaturg*innen.

Liturgie: Karsten Gollnow
Musik: Darmstädter Kantorei, Christian Roß

Fidelio, Ludwig van Beethoven
8./29. März Staatstheater
»Gott! Welch Dunkel hier!«: In der tiefsten Dunkelheit seines Kerkerverlieses hat Florestan, Opfer willkürlicher Staatsgewalt, eine leuchtende Vision. In der Gestalt eines Engels erscheint ihm tröstend seine Gattin Leonore – ein Hoffnungsschimmer inmitten der Erfahrung größten Leids und tiefster Verzweiflung. Das Prinzip Hoffnung treibt auch Leonore durchweg an und macht sie zur Impulsgeberin der gesamten Handlung der Oper: Unerschütterlich vertrauend bahnt sie sich den Weg ins Dunkel zu Florestans Kerker und zerschlägt schließlich seine Fesseln. Beethovens 1814 uraufgeführte Oper Fidelio handelt von der ungeheuerlichen Willensanstrengung ihrer Protagonistin, deren Ideale und Handlungen von einem religiösen Empfinden getragen sind; die Begriffe Liebe und Hoffnung dienen als Leitmotive zur (Wieder-)Erringung der Freiheit. Und doch: Zeigt sich in der Tatsache, wie exzessiv das Werk und der in ihm strahlend besungene Freiheitsbegriff von Machtsystemen ideologisch vereinnahmt und pervertiert wurde, dass die Wurzeln von Kunst und Barbarei, Zivilisation und Unmenschlichkeit verflochten sind? Eine Spurensuche zwischen Licht und Schatten.

Musikalische Gestaltung am Sonntag, 08. März
Darmstädter Kantorei

Leitung: Christian Roß

Programm:
Johannes Brahms »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen«

Die Darmstädter Kantorei ist einer der leistungsfähigen Konzertchöre des Rhein-Main-Gebietes. Ihr Repertoire erstreckt sich von den großen Oratorien vom Barock bis zur Gegenwart und bis hin zu großbesetzter a cappella Musik. Neben eigenen Konzerten und der liturgischen Musik in der Stadtkirche ist die Darmstädter Kantorei auch ein gefragter musikalischer Partner in der Region und arbeitet regelmäßig beispielsweise mit der Philharmonie Merck und dem Staatstheater Darmstadt zusammen. Konzertreisen führten die Darmstädter Kantorei in der Vergangenheit in viele Länder Europas und bedeutende Kirchen wie die Kathedralkirchen in Lübeck, Lund, Liepaja, Riga, Troyes, Magdeburg, die Thomaskirche in Leipzig und jüngst in die die Basilika die Frari in Venedig.
Um die Themen des Fidelio, Hoffnung im tiefen Dunkel, Überleben in einer schier aussichtslosen Situation, geht es auch in den Chorwerken des heutigen Gottesdienstes. In Felix Mendelsohns Psalmvertonung „Warum toben die Heiden“ sieht sich der Psalmist großer Bedrohung und Anfeindung ausgesetzt. Er bittet Gott um Beistand und Rettung. Johannes Brahms große Motette »Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen« spricht vom Weg aus Dunkel zum Licht, von der dunklen Nacht der Gottverlassenheit, durch die jede spirituelle Suche führt, hin zu einem verwandelten Dasein.