abschiedsgottesdienst 3

Liebe Leserinnen und Leser,
liebe Gemeinde,

in den vergangenen Monaten bin ich oft gefragt worden, ob ich mich denn gut auf den Ruhestand vorbereitet und ausreichend Pläne geschmiedet hätte, für die Zeit nach der Stadtkirche. Hab ich nicht, wird sich zeigen, war meine stereotype Antwort, die nicht selten auf Unverständnis stieß. Was ich denn am meisten vermissen werde, war eine seltener gestellte Frage, die mich mehr beschäftigt hat. Es hat einige Zeit gedauert, bis mir klar wurde, dass es nicht die groflen Ereignisse und Events sein werden, sondern etwas, auf das ich vor der Hand nicht gekommen wäre: das Davor, Dazwischen und Danach. Die kurzen Begegnungen nach dem Gottesdienst. Wie gehts, was macht die Gesundheit, die Kinder, wie läufts im Beruf, wie ist es ohne die Frau, den Mann - diese kurzen, nur scheinbar beiläufigen Begegnungen, ein Händeschütteln, in den Arm nehmen. Oder die Gespräche und Begegnungen vor Lesungen und Konzerten oder in den Pausen werden mir fehlen, all die Menschen, Gesichter, Namen, die mir lieb geworden sind und an deren Leben ich auf die eine oder andere Weise Anteil nehmen konnte. Ein unspektakuläres Glück, dem jetzt der Ort fehlt. Das werde ich sehr vermissen.

31 Jahre war ich gerne Pfarrer an der Stadtkirche. Es war eine lange Zeit, für die ich dankbar bin. "Pfarrer kommen und gehen, die Gemeinde bleibt", sagt man. Aber auch Gemeinden kommen und gehen, verändern sich. Für Innenstadtgemeinde gilt das ganz besonders. Ich bin froh, dass ich an manchen Veränderungen teilhatte, die Stadtkirche öffnen und das Leben in ihr mitgestalten konnte. Am 3. Advent (16. Dezember, 10 Uhr) verabschiede ich mich mit einem Gottesdienst als Stadtkirchenpfarrer.

Es war mein Wunsch, mich mit einem ganz normalen Gemeindegottesdienst zu verabschieden. Ohne Gruflworte, feierliche Entpflichtung durch die Pröpstin, Empfang mit Häppchen und Sekt und allem, was üblicherweise dazugehört. Mit einem ganz normalen Gottesdienst habe ich vor Jahren meinen Dienst begonnen, da schien es mir passend und schön, genauso zu gehen. Ich freue mich, wenn Sie Zeit haben und diesen Gottesdienst mit mir feiern. Dann wird es sein, wie es immer ist: Nach dem Gottesdienst werde ich an der Tür stehen und wer will, kann mir Tschüß sagen.

In ein paar Jahren, noch älter und noch grauer als jetzt, und noch etwas vergesslicher auch, werde ich bestimmt verklärt auf diese 31 Jahre zurückblicken, die ich an der Stadtkirche Pfarrer sein konnte. "War 'ne geile Zeit", rutscht mir dann vielleicht raus.

Danke für alles!

Sehr herzlich,
Ihr Pfarrer Martin Schneider