Auffälligster Blickpunkt und zugleich größtes Einzelkunstwerk des Chorraumes ist das Landgrafen-Epitaph, das den Chorraum an der Ostseite abschließt und ihn fast bis zur Decke ausfüllt. Es wurde von Landgraf Georg I., Sohn Philipps des Großmütigen und Begründer des Hessen-Darmstädter Fürstengeschlechtes, für seine 1587 verstorbene erste Frau, Landgräfin Magdalena von Lippe in Auftrag gegeben und 1589 fertiggestellt. Neben den beiden Stifterfiguren (Georg I und Magdalena) zeigt es zwei Bildtafeln, in denen Tod und Auferstehung Jesu mit der Familiengeschichte des Fürstenhauses verbunden werden. Auf der unteren Tafel sind die Eltern mit ihren zehn Kindern zu sehen, die zur Rechten und zur Linken des Kreuzes Jesu knien, auf der oberen der beiden Tafeln die vier zur Entstehungszeit des Epitaphs bereits verstorbenen Kinder des Paares, die gemeinsam mit ihrer Mutter in den Himmel einziehen. Umrandet werden die Tafeln von den Wappen der beiden gräflichen Ahnenlinien sowie von hymnischen Texten, die in gereimten Versen den Glauben und die Großmut des Fürsten und seiner Frau rühmen.

Ein architektonisches Kleinod des Chores ist das spätgotische Netzrippengewölbe, das im Krieg fast unversehrt erhalten blieb. Im westlichen Teil des Gewölbes ist ein Schlussstein mit Mariendarstellung zu sehen, der auf die frühere Marienkapelle Rückschluss gibt, aus der die Stadtkirche im 16. Jahrhundert entstanden ist. Der Schlussstein ganz im Osten des Gewölbes zeigt eine ungewöhnliche Darstellung des Auferstandenen: Christus mit vor der Brust gekreuzten Armen – in den Händen, die noch die Wundmale tragen, hält er seine Folterinstrumente, Rute und Geißel, deren Macht nun endgültig gebrochen ist. Eine eindrückliche Illustration von Offenbarung 2,10: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“


Auch an den übrigen Wänden des Chores finden sich zahlreiche kleinere und größere Grab- und Erinnerungstafeln. Sie zeigen die enge Verbundenheit des Landgrafenhauses mit seinen Ahnen und machen zugleich deutlich, wie selbstverständlich der Tod damals zum Leben gehörte, mehr noch, wie er als Ziel des Lebens, als Durchgang zum wahren Leben galt. Ein eindringliches Beispiel für diese Haltung ist das Grabmal Erbprinz Philipps, des ersten Sohnes Georgs I. und seiner Frau Magdalena, das sich an der nördlichen Chorwand, direkt neben dem Landgrafenepitaph findet. Obwohl das Kind im Alter von nur wenigen Wochen verstarb, ist es auf dem Relief der Grabplatte mit dem Lorbeerkranz, einem Zeichen des Sieges dargestellt – die Inschrift spricht von der ewigen Freude im Himmelreich, derer der Prinz nun teilhaftig wird und erinnert die Leser daran, sich den eigenen Tod vor Augen zu führen und auf ein ebenso seliges Ende zu hoffen.

An der linken Seite des Chorraums befindet sich das Nagelkreuz, das der Stadtkirche vor über 40 Jahren von der Kathedrale in Coventry überreicht wurde. Seitdem ist die Stadtkirche Mitglied der weltweiten Community of the Cross of Nails (CCN), einer ökumenischen Glaubens- und Gebetsgemeinschaft, die sich in besonderer Weise für Versöhnungsarbeit ("Reconciliation") und Friedensarbeit einsetzt.

Am 14. November 1940 flog die deutsche Luftwaffe unter dem Decknamen „Unternehmen Mondscheinsonate“ einen schweren Luftangriff auf die mittelenglische Stadt Coventry. Auch die im 14. Jahrhundert erbaute Kathedrale der Stadt war in Flammen aufgegangen, nur die Außenmauern standen noch. Am Morgen nach der Zerstörung fand der Steinmetz Jock Forbes in der Ruine zwei verkohlte mittelalterliche Dachbalken, die in Form eines Kreuzes aufeinander gefallen waren. Er band sie zusammen und stellte sie in der Ruine auf. Noch an dem Tag nach dem Brand wurde es Dompropst Richard Howard klar, dass die Kathedrale wieder aufgebaut werden müsse (auch wenn es noch bis 1962 dauern sollte). Einige Zeit nach der Zerstörung ließ er mit einem verkohlten Stück Holz den Anfang des ersten Kreuzeswortes Jesu auf die Wand hinter dem Ruinenaltar schreiben: „Vater, vergib“. Bewusst verzichtete er dabei auf die Fortsetzung des Verses (Lukas 23, 34) – „Vater, vergib ihnen“. Nicht nur der Feind, sondern „wir alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten“, hatte bereits Paulus geschrieben (Römer 3, 23) und im Epheserbrief wurde gemahnt: „Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus“ (Epheser 4, 32). 1959 entstand aus diesen Worten das Versöhnungsgebet von Coventry, das bis heute jeden Freitag in der Ruine der Kathedrale und an zahlreichen Orten weltweit gebetet wird.